Russland von ferne oder aus der Nähe ansehen ist immer noch zweierlei

«Russland von ferne oder aus der Nähe ansehen ist immer noch zweierlei»

Das Zarenreich 1906 bis 1907 in den Briefen des Schweizer Hauslehrers Alfred Gysin

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«Russland von ferne oder aus der Nähe ansehen ist immer noch zweierlei»

Frithjof benjamin Schenk (Hg.)

Ein Jahr im russischen Zarenreich – Briefe eines jungen Schweizer Hauslehrers

Es ist eine lange Reise von Liestal in den Donbass, die der junge Schweizer Alfred Gysin unternimmt, um dort den Sohn eines Soda-Fabrikanten als Hauslehrer zu unterrichten. Begeistert teilt er seiner Familie in vielen Briefen seine Beobachtungen aus dem Südwesten des damaligen Zarenreichs mit und stellt fest: «Russland von ferne oder aus der Nähe ansehen ist immer noch zweierlei». Die Publikation unter diesem Titel (Christoph Merian Verlag) vereint die persönliche Perspektive Gysins mit dem zeitgeschichtlichen Hintergrund des Reisens und der Kommunikation im Europa des frühen 20. Jahrhunderts, mit dem Mikrokosmos einer Fabriksiedlung im Donbass und mit den historischen Entwicklungen in Russland um 1905.

Im September 1906 reist der 23-jährige Alfred Gysin (1883-1964) voller Neugier und Abenteuerlust in eine ihm völlig fremde Welt. Der protestantisch erzogene Schweizer beobachtet sein neues Umfeld, vergleicht es mit demjenigen in seiner Heimat und zieht daraus seine Schlüsse. Er beschreibt die russische Lebenswelt sowie auch seinen eigene Arbeitsalltag und seine Freizeitgestaltung. Gysins transkribierte Russlandbriefe sind nicht nur für Historiker eine reiche Quelle. Sie erlauben auch einen unverstellten Blick zurück in die versunkene Welt des zaristischen Russlands in den Jahren nach der ersten Russischen Revolution.

Den Quellenwert dieser lebendigen, lange unentdeckten und bisher unveröffentlichten Briefe erkannte Frithjof Benjamin Schenk, Professor für Osteuropäische Geschichte an der Universität Basel. Er bereitete sie im Rahmen eines Forschungsprojekts mit 18 Studierenden auf und präsentiert die Ergebnisse als Herausgeber des vorliegenden Bandes, der von zahlreichen Fotografien illustriert wird. Die vierzehn Essays – unter anderem zur Biografie Gysins, zur Geschichte Russlands nach der Revolution von 1905 oder zu der westlichen Russlandwahrnehmung – beleuchten den historischen Kontext von Gysins einjährigem Abenteuer in den fernen Weiten des rieseigen Reiches. Nicht zuletzt streift die Publikation die Geschichte einer Region, die 2014 zum Schauplatz umstrittener kriegerischer Auseinandersetzungen wurde.

 

Frithjof Benjamin Schenk (Hg.)
«Russland von ferne oder aus der Nähe ansehen ist immer noch zweierlei»
Das Zarenreich 1906 bis 1907 in den Briefen des Schweizer Hauslehrers Alfred Gysin
228 Seiten, 55 Abbildungen, Klappenbroschur, 16,5 x 24 cm
© 2021 Christoph Merian Verlag 
CHF 29.– / EUR 28,–
ISBN 978-3-85616-945-9

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